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Holzpellets gelten als zu 100% CO2 neutraler Brennstoff und sind daher ein großer Wachstumsmarkt.

DINplus-Zertifizierung für Holzpellets – Im Gespräch mit Maximilian Quietzsch

Weltweit steigt das Umweltbewusstsein der Verbraucher*innen, die immer mehr Wert auf regenerative Energiequellen legen. Das macht Heizsysteme, die auf Holzpellets basieren, zu einem riesigen Wachstumsmarkt im Privatsektor. Allein in Deutschland, einem der größten Produktionsstandorte weltweit, stieg die Produktion in den vergangenen fünf Jahren von 1,95 auf 3,3 Millionen Tonnen.

Die umweltbewussten Kund*innen wissen längst, dass eine gute Pellet-Qualität nicht nur beim Heizwert überzeugt, sondern auch weniger Emissionen ausstößt und setzen ihr Vertrauen in bekannte Zertifizierungen, um hochwertige Produkte zu finden. In den Regalen großer Händler gibt es daher kaum noch ein Produkt, das kein Prüfzeichen trägt. Nun wurde die geltende Norm DIN EN ISO 17225-2 aktualisiert.

Im November 2021 hat DIN CERTCO, eine 100-prozentige Tochter von TÜV Rheinland, ein neues Zertifizierungsprogramm veröffentlicht, das der aktualisierten Norm und den Veränderungen am Markt gerecht wird. Welche Kriterien relevant sind und wie seriöse Hersteller die Qualität ihrer Pellets sicherstellen können, erklärt unser Experte Maximilian Quietzsch im Interview.

Endkunden akzeptieren kaum noch Holzpellets, deren Qualität nicht durch eine Zertifizierung bestätigt wurde.

Maximilian Quietzsch

Herr Quietzsch, die Aktualisierung der Norm und des Zertifizierungsprogramms war in so einem dynamischen Wachstumsmarkt und in der aktuellen Umweltdebatte sicher wichtig. Was ändert sich denn für die Hersteller?

Um den Anforderungen der Endverbraucher*innen besser gerecht zu werden, haben wir die Grenzwerte im neuen Zertifizierungsprogramm tatsächlich leicht verschärft. Ein Beispiel ist der Aschegehalt, also die Masse, die nach der möglichst sauberen Verbrennung als Asche im Kamin verbleiben darf. Das dürfen zukünftig nur noch 0,6 % statt 0,7 % des ursprünglichen Materials sein. Auch der Grenzwert für die mechanische Festigkeit wurde von 97,5 % auf 98 % erhöht. Dieser Wert gibt an, wie viel Material sich zum Beispiel bei der Verpackung oder dem Transport abreiben darf, damit der Kunde am Ende auch wirklich Pellets und nicht nur Staub kauft.

Eine weitere wichtige Änderung betrifft die Überwachung der Produktqualität. Da die Zertifizierung fünf Jahre gültig ist, führen wir ohnehin ein jährliches Audit durch, um die gleichbleibende Qualität sicherzustellen. Wenn früher Abweichungen in einer Probe aufgetaucht sind, haben wir diesen Wert nachgeprüft, Korrekturmaßnahmen kontrolliert, und sind anschließend in den regulären Überwachungsrhythmus übergegangen. Zukünftig werden Hersteller bei einer Abweichung engmaschiger kontrolliert. Ansonsten haben wir im Zertifizierungsprogramm einige Punkte klarer formuliert, die in der Vergangenheit einen gewissen Interpretationsspielraum gelassen haben.

Übrigens - unsere Kostenstruktur für die Zertifizierung bleibt gleich! Das heißt, dass es keine Rolle spielt, wie viel Ware ein Hersteller in einem Jahr produziert.

TUV-Rheinland-Maximilian-Quietzsch
Privates Photo

Was ist eigentlich mit „alten“ Zertifizierungen? Behalten sie ihre Gültigkeit?

Richtig, diese bleiben zunächst bestehen. Wenn Sie eine Zertifizierung DINplus für Holzpellets nach dem alten Zertifizierungsprogramm haben, werden die neuen Anforderungen innerhalb einer Übergangsfrist von einem Jahr im Zuge der Überwachung abgeprüft. Da müssen sich unsere Kunden also keine Sorgen machen. Neukunden müssen natürlich direkt die neuen Anforderungen erfüllen, um die DINplus Zertifizierung zu erlangen.

Für eine gelungene Zertifizierung braucht es sicherlich auch ein gutes Produkt. Worauf sollten Hersteller schon bei der Produktion achten?

Ein wichtiger Faktor ist alleine schon das Rohmaterial, obwohl die Zertifizierung DINplus nicht so weit greift – da sind eher Zertifizierungen wie das FSC relevant, welches wir als Kombi-Audit anbieten. Weitere Faktoren sind die Verarbeitung des Materials, die Mischung und die Verpressung. Was die Qualität angeht, erkennen wir seit Jahrzehnten einen sehr positiven Trend. Ohne überheblich klingen zu wollen – wir glauben, dass unsere Zertifizierung einen großen Beitrag dazu geleistet hat. Mit dem DINplus für Holzpellets haben wir 2002 die erste Zertifizierung dieser Art weltweit auf den Markt gebracht und wir können seither einen kontinuierlichen Anstieg der Produktqualität beobachten.

Das ist sicher ein Stück weit auf den Druck durch die Verbraucher*innen zurückzuführen. Wer sich zu Hause eine Pelletheizung anschafft, ist oft sensibel was die Umweltverträglichkeit der Komponenten angeht. Als Auditor kann ich aber auch viele gute Beispiele nennen, bei denen Hersteller die Zusammenarbeit mit uns als Chance verstehen. Sie nutzen die Ergebnisse ihrer regelmäßigen Untersuchungen und Dokumentation aktiv für die Weiterentwicklung ihrer Produkte. Viele legen selbst großen Wert darauf ihre Messmittel zu kalibrieren, um valide Ergebnisse zu erhalten und sie betreiben ein zielgerichtetes Supplier Management, um die Qualität der Rohstoffe zu verbessern. Die Branche ist nicht nur ein Abfallverwerter, sondern ein hochprofessioneller Zukunftssektor.

Biographie

Maximilian Quietzsch ist seit 2018 Produktmanager für Brennstoffe und Wärmepumpen sowie seit 2020 Bereichsleiter & Lead Auditor für Holzpellets bei DIN CERTCO. Zuvor konnte er im EHS-Management der Siemens AG und bei General Electric umfassende Erfahrungen sammeln. Grundlage seiner Expertise bildet seine spezifische akademische Ausbildung. Herr Quietzsch studierte „Umwelttechnik” und “Process, Energy and Environmental Systems Engineering” und war an einem Forschungsprojekt für flüssige Biomasse am Institut für Bioverfahrenstechnik der TU Berlin beteiligt. Zeitweise arbeitete er als freiberuflicher Dozent der TÜV Rheinland Akademie.

Was sind denn die größten Stolpersteine bei der Zertifizierung? Wo müssen Sie als Auditor regelmäßig Abweichungen beanstanden?

Auffällige Produktproben kommen eigentlich selten vor, aber manchmal gibt es sie doch. Für die Produktion darf natürlich nur unbehandeltes Holz ohne Rinde verwendet werden, aber wenn es sich um Restmaterial aus einer Fertigung handelt, können manchmal noch Reststoffe im Rohmaterial sein, welche aussortiert werden müssen. Zudem ermitteln wir den Gehalt von Stoffen, die der Baum während seiner Wuchsphase aus der Umwelt aufgenommen haben könnte. Darunter fallen Chlor und Stickstoff aber auch einige Schwermetalle. Für all diese Stoffe gelten natürlich strenge Grenzwerte, die die Hersteller in der Regel auch selbst im Blick haben.

Eine Herausforderung sind eher die Dokumentation oder die Begleitdokumente. Viele Hersteller fokussieren sich auf die Produktion und wollen vor allem ein gutes Produkt herstellen. Jeden Schritt und alle Lieferungen für die Zertifizierung zu dokumentieren, ist dann manchmal eine nachgelagerte Aufgabe. Wir halten das allerdings für sehr wichtig, auch im Interesse der Hersteller, die sich durch die Dokumentation absichern sollten. Für die Auszeichnung der Produkte, je nach Verpackung, gibt es dann weitere strenge Regelungen. Ein Beispiel dafür sind die Warnhinweise zur Lagerung oder Verwendung, die für die Endkund*innen natürlich eine wichtige Rolle spielen. Produktangaben zu Heizwert, Feinanteil, Aschegehalt, etc. prüfen wir natürlich im Rahmen der Zertifizierung, genau wie die Angaben zur Rückverfolgbarkeit.

Schließlich muss dann noch die Zertifizierung korrekt ausgewiesen werden. Dazu gehört neben der Verwendung des Zertifizierungszeichens auch die Registernummer. Hier kommt es manchmal zu Missverständnissen, wenn ein Hersteller oder Händler die Pellets unter mehreren Marken auf den Markt bringen will. Es gilt eine Zertifizierung pro „Marke“, nicht eine Zertifizierung pro „Hersteller“.

Welche Rolle spielen eigentlich die Händler? Können Sie auch eine Zertifizierung erwerben?

Ja, grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Händlern, die in physischen Kontakt mit dem Produkt kommen und denen, die sozusagen nur vom Schreibtisch aus agieren. Händler, die Holzpellets zukaufen und sie in den eigenen Anlagen abfüllen lassen, sind Teil der Wertschöpfungskette und werden bei der Zertifizierung ebenfalls auditiert.

Große Einzelhändler wie Baumärkte sind an diesen Prozessen in der Regel überhaupt nicht beteiligt, beauftragen einen Produzenten aber häufig mit der Abfüllung in ihre Säcke. In diesem Fall können sie über den Hersteller unkompliziert ein Unterzertifikat erwerben, sodass sie die zertifizierten Pellets auch unter ihrer Marke bewerben dürfen.

Sie sprachen gerade schon von dem „Zukunftssektor“ Holzpellets. Wie entwickelt sich der Markt? Ihre Einschätzung?

Neben der Professionalisierung in der Branche sehen wir in den vergangenen Jahren vor allem ein großes Wachstum. Deutschland war lange der Weltmarktführer in der Produktion, nun ziehen andere Staaten nach. Russland ist bei der Produktion inzwischen gleichauf oder hat uns sogar schon überholt. Die Europäer sind übrigens dankbare Abnehmer. In Ländern wie Italien, Österreich, der Schweiz, Tschechien oder den Balkan-Ländern sind Pelletkessel viel stärker verbreitet als in Deutschland. Frankreich gilt als stärkster DINplus-Markt. Kein Wunder also, dass Hersteller aus Kanada, den USA oder Russland in Europa Fuß fassen wollen.

Wir denken, dass die Umweltdebatte eine große Treiberin für die Holzpellet-Technologie sein dürfte. Pellets gelten als CO2-neutral, weil ja nur das CO2 freigesetzt wird, das die Pflanzen zuvor aus der Atmosphäre aufgenommen haben. Nun geht es darum, die Klimaverträglichkeit weiter zu steigern, durch energieeffiziente Produktionsmittel mit wenig Materialverlust, kurze Transportwege und eine hohe Qualität für eine saubere Verbrennung.

Ein großer Entwicklungsschub kam natürlich auch durch die Verbesserung der Heizsysteme. Moderne Pelletkessel steuern die Zufuhr von Material und Luft durch eine feine Sensorik und optimieren so den Heizwert. Das ist auch ein Vorteil für die Kund*innen, die dadurch Geld sparen. Grundsätzlich würde ich Endkund*innen immer empfehlen, sich über den neuesten Stand der Technik und die Anschaffungsmodalitäten zu informieren. Für jedes Heizsystem gilt allerdings, dass man die gesamte Anlage im Blick haben sollte. Die moderne Pelletheizung im Keller muss also auch zu den Heizkörpern im Wohnbereich passen.

Übrigens bieten wir nicht nur eine Zertifizierung DINplus Zertifizierung für Holzpellets, sondern auch für die fachgerechte Lagerung, den Transport oder die genannten Pelletkessel an. So wollen wir zu einer Verbesserung in allen Bereichen der Technologie beitragen.

Wo wir gerade über den Transport sprechen. Wie nachhaltig ist das Heizen mit Holpellets wirklich?

Die Herkunft des Rohmaterials hat natürlich auch einen großen Einfluss auf den CO2-Fußabdruck der Holzpellets. Die ursprüngliche Idee war ja, unbehandelte Abfallprodukte anderer Industrien, wie der Möbelbranche zu verwenden, was vielfach auch passiert. Wenn Stammholz verwendet wird, will ich das jedoch auch nicht verteufeln. Durch die Verarbeitung zu Holzpellets können auch Stämme noch sinnvoll verwendet werden, die wegen ihres Durchmessers oder der Wuchsform für nichts Anderes genutzt werden könnten. Das Wichtigste beim nachhaltigen Heizen mit Holzpellets bleiben jedoch die Transportwege. Bei Holzpellets aus Kanada und den USA schmälert der Transport natürlich die Umweltbilanz.

Die DIN CERTCO befasst sich bereits sehr lange mit dem Thema Holzpellets. Worauf können sich unsere Kunden in der Zusammenarbeit einstellen?

Wir haben fast 20 Jahre ein sehr umfangreiches Partnernetzwerk von akkreditierten Prüflaboren und erfahrenen Inspektoren aufgebaut. So können wir die Zertifizierung DINplus für Holzpellets weltweit schnell und unkompliziert durchführen. Trotzdem behalten wir alle Fäden in der Hand und organisieren die notwendigen Schritte zur Zertifizierung und Überwachung im Hintergrund. Bei uns stellt der Kunde einen Antrag zur Zertifizierung bei der DIN CERTCO und wir steuern den Prozess.

Einen weiteren Vorteil sehe ich in unserer Online-Datenbank, in der alle Beteiligten jederzeit die Authentizität des Zertifizierungszeichens anhand der Registernummer prüfen können. Transparenz und Vertrauen sind uns sehr wichtig, denn darauf beruht der gute Ruf, den wir uns über Jahre in der Branche erarbeitet haben. Wir sind übrigens der weltweit einzige akkreditierte Zertifizierer für das Zeichen DINplus für Holzpellets. Darauf sind wir sehr stolz.

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