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DIN-Geprüft / barrierefrei: Das Zeichen eines Trends

Barrierefrei für alle Lebensphasen: Das erste Wohnhaus in Deutschland, das diesen Anspruch nachweislich erfüllen kann, steht in Wiesbaden. Am 23. August 2000 wurde das Zertifikat "DIN-Geprüft / barrierefrei" an die Betreiber des "Modellhauses am Toni-Sender-Park" von DIN CERTCO, der Zertifizierungsgesellschaft des DIN Deutsches Institut für Normung e.V., überreicht.

Das 1969 erbaute Wohnhaus wurde von Grund auf saniert und entsprechend den Anforderungen der DIN 18025-2 "Barrierefreie Wohnungen" umgestaltet. In Sachen Technik und Ausstattung ist das Haus speziell auf die Bedürfnisse älterer und behinderter Menschen ausgerichtet. Ziel ist es, den Bewohnern ihre Selbständigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten.

Das schließt natürlich nicht aus, dass Menschen in allen Lebensphasen von einer barrierefreien Gestaltung profitieren können: Gehbehinderte jeden Alters, Rheuma-Kranke, Eltern mit Kleinkindern. Die in der DIN-Norm beschriebenen Planungsgrundlagen sind darauf ausgerichtet, jedem unnötige Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Sie sehen unter anderem vor, dass die Zu- und Eingänge zu Wohnungen stufenlos und die Türen ausreichend breit sind, dass es genügend Bewegungsflächen gibt und die Schalter und andere Bedienungselemente in 85 cm Höhe angebracht werden.

Barrierefreie Gestaltung ist nicht zwangsläufig mit hohen Kosten verbunden. Wie ein vom Bundesbaumininisterium 1990 veröffentlichter Forschungsbericht explizit darlegt, können die Anforderungen der Norm ohne Mehrkosten erfüllt werden, wenn sie frühzeitig in der Planungphase berücksichtigt werden. Eine ebenso wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Implementierung sei aber auch "die innere Einstellung des Architekten". Diese Einstellung wird mittlerweile in mehreren Landesbauordnungen verbindlich eingefordert.

Der Nachweis der Barrierefreiheit wird künftig ein entscheidendes Kriterium in der Immobilienbranche werden, sowohl beim Verkauf von Wohneigentum wie auch bei der Vermittlung von Mietwohnungen. Es wird geschätzt, dass 30 bis 35 % der Bevölkerung in bestimmten Lebensphasen und -situationen zeitweise oder dauernd in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Dazu kommen sowohl die gestiegene Lebenserwartung wie auch die gestiegenen Ansprüche an das Leben im Alter. Wohnraum, der in diesem Punkt nicht "zukunftsssicher" ist, wird zunehmend schwer zu vermitteln sein.

Was für Wohnhäuser gilt, gilt ebenso für alle anderen öffentlich zugänglichen Gebäude. Insbesondere für Beherbergungsstätten - man denke nur an die vielen Kurhotels - wird der Nachweis der Barrierefreiheit nach DIN-Norm eine genauso selbstverständliche Forderung wie ein Farbfernseher im Zimmer sein. Das Zertifizierungsprogamm "DIN-Geprüft / barrierefrei" steht bereit - ab Oktober für Interessierte auch hier im Internet abrufbar.